Was ist Skiffeln?

Skiffeln, das ist, wenn man eine ältere Gitarre beim Nachbarn im Keller entdeckt, ein paar Saiten aufzieht, zwei, drei Griffe lernt und mit ein paar Kumpels losjamt. Die Texte hört man sich von alten Schallplatten ab, und dann geht es los. Schon vor Jahren totgesagt, schickt sich die Skiffle-Musik an, erneut Fans zu mobilisieren.

Als die ersten Skiffle-Groups entstanden, wunderte man sich über alles: über den schleifend-mitreißenden Takt, über Improvisationsfülle und Musikalität dieser neuen Gruppen und natürlich über die Instrumente. Eine Mundharmonika war wohl vorhanden, Ein Banjo möglicherweise auch. Aber typisch für die Skiffle-Musik wurde das Waschbrett für einen entweder apostrophierten oder wischend-ratschenden Rhythmus. Bässe bastelten die findigen Amateurmusiker aus alten Holzkisten. Das Pergamentpapier über dem Kamm oder nur die Stimme des Skiffle-Musikers traten in Aktion, wenn auch die Maulharmonika nicht erschwinglich war. Diese Non-Instruments-Gruppen droschen erst einmal unbekümmert drauflos. Begeisterte Nachahmer kamen mit neuen Ideen hinzu. In Windeseile entwickelte sich ein typischer Sound.

Damit wurde es Zeit, die Skiffle-Musik zu kultivieren, "weiß" zu machen. Die namhaften Heroen jener Tage kamen fast durchweg vom Blues, so etwa auch Alan Lomax mit seinen Ramblers und in Merry Old England Ray Bush, Bob Cort, die City Ramblers, und vor allen Lonnie Donegan, Alexis Korner und Ken Colyer mit seinen legendären Jazzmen nebst Skiffle-Group. Colyer mit seiner rauchigen Stimme war so etwas wie eine "Urmutter". Viele gute Leute, die sich inzwischen selbst einen Namen machten, jamten, jazzten und skiffelten mit ihm. Chris Barber, Monty Sunshine, Mr. Acker Bilk und Lonnie Donegan machten eigene Karrieren.

Lonnie Donegan war in der ersten Formation der Jazzmen Banjospieler und Gitarrist, heute ist er Meilenstein. Am 29. April 1931 in Glasgow geboren, hatte er bereits 1949 seinen ersten Auftritt. Er schaffte den Sprung in die Royal Albert Hall, wurde Dauergast als Entertainer im Fernsehen und hatte schließlich dort die eigene Lonnie-Donegan-Show. Seine dynamische Musikalität entzündete sich an vergleichsweise simplen Geschichten um Landarbeiter, Goldgräber, Müllmänner und Vagabunden.